Mein Jahresrückblick 2015

von stanleyhitchcock

Jetzt steht es wieder an, die obligatorische Liste. Da frage ich mich immer: Was hat mich wirklich umgehauen? Was waren die Überraschungen? Ach, das kam auch dieses Jahr?

Dieses Mal mit Serien. Jahresrückblick XXL praktisch.

Ich persönlich mag Jahreslisten von vielen Filmemachern, Kritikern und Podcastern und deswegen schreib ich auch jetzt, höchst subjektiv und längst kein Anspruch auf Vollständigkeit, einen Jahresrückblick. 2015 übrigens nach dem Richtdatum, wann die Filme in Deutschland veröffentlicht wurden.

Was sind eure Lieblingsfilme und Lieblingsserien dieses Jahr gewesen? Schreibt es in die Kommentare, interessiert mich brennend! Auch wenn ich etwas vergessen habe oder unbedingt noch ansehen soll. Her damit.

Außerdem war ich zu Gast beim wundervollen „Second Unit“ Podcast und hab da auch meine Jahreshighlights in die Welt gesprochen (ab 02:14:57): Second Unit Podcast

violentA Most Violent Year

Ein kleiner Thriller, der heute eigentlich nicht mehr in Hollywood gedreht wird. Doch selten einen spannenderen Film aus Amerika in der Dekade gesehen.  Das Achtziger Setting, welches so authentisch wirkt, als sei es ein vergessener Film der Achtziger. Das Schauspielergespann aus dem brillanten Oscar Isaac (Jep, Poe Dameron aus Star Wars) und Jessica Chastain („Interstellar“ oder „Der Marsianer“) brillieren und spielen sich gegenseitig an die Wand, dass diese komplett einstürzt. Stark!

Beasts Of No Nation

Ein mitreißendes und atmosphärisches Kriegsdrama, welches von Cary Fukunaga (Genau, der Regisseur von „True Detective“ Season 1) dicht inszeniert wurde. Idris Elba packt in die Rolle so viel rein, dass er die (bisherige) intensivste Leistung seiner Karriere abliefert.

Love 

Der neue Film von Gaspar Noé („Irrevisble“ und „Enter The Void“) zeigt eine Ode an die Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen. Die Bildkomposition mit dem Soundtrack ergibt wohl die beste Romanze des Jahres. Ich hätte nie gedacht, dass Gaspar Noé so viel Gefühl und Sensibilität transportieren kann.

Ewige Jugend 

Paolo Sorrentinos Filme („La Grande Belleza“) sind wie Poesie. Und dieser Film ist nicht anders, die Altherren Michael Caine („Interstellar“) & Harvey Keitel („Reservoir Dogs“) sinnieren über das Leben. Sorrentino entführt uns wie einst Thomas Mann zum „Zauberberg“ und lässt uns darüber nachdenken, was Kunst und Privatleben bedeutet und was Zeit zu uns Menschen macht. Eine Spezies, die sich ihrem Tod bewusst ist. Der Film verpackt das ganze mit viel Charme, atemberaubenden Bildern und Musik. Pure Poesie zum Leben.

Alles steht Kopf

Seitdem Pixar von Disney gekauft wurde, hagelte es Fortsetzungen und irgendwie interessiert mich das alles nicht so. Aber mit „Alles steht Kopf“ hat Pixar geliefert und ein gefühlvolles, sentimentales Meisterwerk aus dem Hut gezaubert. Selten hab ich so viel im Kino geweint und meine Jugend wieder gefühlt.

Whiplash

Miles Teller („The Spectacular Now“) und J.K. Simmons („Ladykillers“) liefern sich eine Schlacht des Schauspiels, im Rausch des Schnitts und der Musik. Selten war ich so geplättet nach einem Kinogang und habe den Film so intensiv verfolgt, nein, mitgefiebert. Ein großes Drama, nicht nur für Jazz Fans!

Love & Mercy 

Was eine tolle an Biopic, 2 Zeitebenen zu zeigen und diese mit 2 verschiedenen Schauspieler John Cusack („Being John Malkovich“) und Paul Dano („There will be blood“). Auch hat mir das Biopic einen ganz anderen Blick auf die Musik der Beach Boys geben, wovon ich bis heute noch zehre und die Musik summe. Tolles Ding, was haften bleibt.

Victoria

Die deutschen Filme werden die letzten Jahre immer interessanter. „Victoria“ ist keine Ausnahme, in einem Take (in einem echten und nicht gefakt) gedreht.  Was wie eine Berliner Partynacht anfängt, endet in einem tiefen Rausch, aber nicht wie gedacht. Die Symbiose aus natürlichen Spiel und intensiver Kameraführung bringt den Film in eine andere Sphäre.

Mad Max – Fury Road

Der einzige (Realfilm) Blockbuster in meiner Auflistung und was für einer. Mit viel praktischen Effekten, einer unglaublichen Welt, starke Frauenrollen und ein treibender Score zeigt George Miller jungen Regisseuren wie es mit dem Actionblockbusterkino gehen kann. Ein tolles Actiondenkmal.

Wichtige Nennungen, die mir auch gefallen haben, es aber nicht ganz geschafft haben

Ex Machina

The Gift

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The Affair (Season 1 & 2)

Die Serie, die mit der simplen Prämisse einer Affäre anfängt und daran das Leben der Beteiligten auseinander fällt, klingt soaplastig. Doch durch geschickte Erzählweise der jeweiligen Perspektive vom verheiratenen Mann (Dominic West aus „The Wire“) und Affäre (Ruth Wilson aus „Luther“) und keiner Auflösung, was jetzt die allumfassende Wahrheit ist, wird das Medium Film an neue Grenzen gebracht wird. Der Zuschauer wird gefordert und muss selbst seine Schlüsse ziehen. „The Affair“ wird spielerisch eine der besten Serien der letzten Jahre hervorgezaubert.

Bloodline (Season 1)

Wie ein Mensch vom Guten ins Böse, Kriminelle fällt zeigt „Bloodline“ sehr gut. Der tolle Cast aus dem schwarzen Schaf der Familie Rayburn, Danny (Ben Mendelsohn „The Place Beyond the Pines“) und Sheriff John Rayburn (Kyle Chandler  „The Wolf of Wall Street“) ist stark und die hitzig heiße Atmosphäre in Florida spürt der Zuschauer zu jeder Sekunde.

Master Of None (Season 1)

Die männliche Version von „Girls“ von Aziz Ansari („Parks and Recreation„), eine Komödie über das Leben in einer amerikanischen Großstadt mit vielen multikulturellen Einflüssen als erfolgloser Schauspieler. Großartig witzige Dialoge gepaart mit einigen nachdenklichen Thematiken, z.B. Verhalten zu Eltern im jungen Erwachsenenalter.

True Detective (Season 2)

Der grandiose Cast (Colin Farrell, Amy Adams, Vince Vaughn) samt Stilistik von Nic Pizzolatto über die Darstellung einer korrupten Gruppe in Los Angeles begeistert. Die herrliche Komplexität und Charakterzeichnung überstrahlt die Dramaturgie recht häufig, aber genau das ist die Stärke der Serie und wird leider häufig missverstanden.

Show Me A Hero

David Simon (Macher von „The Wire“) gepaart mit Oscar Isaac (Genau, der wieder!) als Hauptdarsteller beschreibt den mühseligen Weg des jüngsten Bürgermeister des Landes Amerika sieht er sich in eine rassistische Kontroverse verwickelt, nachdem in seiner Stadt Sozialwohnungen innerhalb einer gut situierten Wohngegend gebauten werden sollen. Aktueller könnte der Inhalt nicht sein. Aber Obacht, der Inhalt wird fast als dokuartiges Stück wiedergegeben – das ist mühselig, aber halt ein Prozess, der auch beim Protagonisten einsetzt.

Fargo (Season 2)

Wow, was ein Cast, was für ein spielerischer Schnitt samt Musik. Die Handlung ist wie ein brodelnder Vulkan, der immer wieder austritt. Ein ganz großes Ding dieses Jahr. Season 1 hatte mich nicht so gepackt wie diese grandiose Season. Ein wundervolles Gangsterepos gepaart mit großartiger Atmosphäre und skurrilen Charakteren.

Mr. Robot (Season 1)

Die Überraschung dieses Jahr, die Serie mit Sam Malik, der einen Hacker mimt. Die Stilistik, die eine Mischung aus „American Psycho“ und David Fincher („Gone Girl“) Filmen gemimt mit einer atemberaubenden Kameraarbeit, die einmalig in der Serienlandschaft ist. Wer gedacht hat, Off Stimmen sind ein klassisches und verstaubtes Mittel, sollte sich hier mal die Verjüngungskur davon ansehen. Der Plot begeistert durch überraschende Wendungen und spannende Charakterentwicklungen. Übrigens darf man die Entdeckung Martin Wallström, in der Rolle von Tyrell, nicht zu vergessen. Wenn ihr die Season gesehen habt, dann wisst ihr warum.

 

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