Robin Hood

von stanleyhitchcock

„Robin Hood“ erzählt die Geschichte in naher Zukunft einer Dystopie, in der die Deutsche National Bank (DNB) den Menschen ihre Immobilie, also Zuhause, wegnimmt, weil sie diese nicht bezahlen können. Der Vorstandschef der DNB Rainer Van Kampen stürzte Tausende Menschen ins verderben, indem er die Kleinanleger mit überteuerten Immobilien anlockte. Viele Menschen müssen deswegen auf der Straße schlafen und verarmen. Der Protagonist ist der Polizist Alex, er ist Sondermittler gegen die Machenschaften von Rainer Van Kampen.

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Die Schauspielerriege spielt grandios, der Film ist durch und durch ein klassischer Ensemble Film, wo es viele unterschiedliche und interessante Charaktere gibt. Besonders positiv zu erwähnen sind hier Thomas Thieme als DNB Vorstandschef Rainer Van Kampen, er spielt den machthungrigen Vorstandschef äußerst subtil und facettenreich, er ist nicht bloß der eindimensionale Bösewicht, sondern fügt sich dem System. Wer mich ebenfalls begeistert hat, war der Chef der Bande Ron, gespielt von Matthias Koeberlin, er spielt einen gewissenhaften, unterhaltsamen Chef einer Bande. Er hält die verschiedenen Charakter der Band im Gleichgewicht. Meine Lieblingsrolle und Charisma war die Rolle von Vinzenz Kiefer, der den skeptischen Part der Bande sehr schön ambivalent dargestellt hat, ohne zu nerven, was bei seinem Part leicht passieren kann. Hut ab dafür.

Das Drehbuch ist wundervoll, auf der einen Seite gibt es einen emotionalen Kern, der die Motive des Protagonisten klar zeigt und auf der anderen Seite ist der Film spannend, ohne mit der Action zu übertreiben. Die Botschaften und die kritischen Fragen werden von beiden Seiten beantwortet und sind schön facettenreich. Der Humor ist ebenfalls exzellenten ausgearbeitet, besonders die Rolle des Hackers Sergej Ibisuvitsch, gespielt von Stipe Erceg, ist zum Brüllen komisch. Ein rundes Drehbuch, was alles perfekt ansetzt. Vorallem ist die fiktionale Stadt und die Handlungen ein gute Parabel zu Thema der letzten Jahre wie Anonymous, Bankenkrise und die Occupybewegung. Zeitgenössischer kann ein Film nicht mehr sein.

Natürlich ist der Film nicht perfekt, da dieser Film in einer fiktiven Dystopie spielt, nimmt er einige Punkte des Realismus weg und ignoriert einige Dinge aufgrund der Dramaturgie. Doch das ist verschmerzbar, denn der Film baut eine intensive Atmosphäre auf und es fällt kaum bis gar nicht auf.

Ist „Robin Hood“ nun die Hoffnung des neuen deutschen Kinos oder ist es bloß eine hohle Kopie von Werken wie „The Dark Knight“ oder „Inception“?

Ich entziehe mich der Diskussion, weil der Film atmosphärisch und rund ist. Er ist sehenswert. Fakt ist, es spielen deutsche Schauspieler mit und hinter der Kamera sehen wir ebenfalls eine deutsche Crew. Der Film wird nicht in die Geschichte eingehen wie Fritz Lang „Metropolis“, aber er löst eine Diskussion über den Stand des aktuellen Deutschen Kinos aus und das ist nicht unbedingt schlecht. Ich wünsche mir mehr solche spannende Filme aus Deutschland und in Zukunft schau ich auf die nächsten Werke von Regisseur Martin Schreier.

Insgesamt ist „Robin Hood“ ein spannender und atmosphärischer Film, der ein tolles Schauspielensemble besitzt und eine zeitgenössische Geschichte rund erzählt.

Anmerkung: Der Film wird Ende des Jahres auf ProSieben laufen, die Version der Kritik bezieht sich auf die 100 Minuten Fassung, im Fernsehen wird eine 90 Minuten Fassung ausgestrahlt.

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